Kulturpolitik
06.9.23

Erwartungen an den VR und das neue VR-Präsidium von
Konzert & Theater St.Gallen

Der neue gesamtverantwortliche Direktor Jan Henric Bogen und der Verwaltungsrat haben für Konzert und Theater St.Gallen drei Leitthemen vorgegeben: Diversität, Partizipation und Nachhaltigkeit. Die igKultur Ost weist darauf hin, dass diese auch im Verwaltungsrat zu leben sind.

  1.  Di­ver­si­tät

Die bis­he­ri­ge Zu­sam­men­set­zung des Ver­wal­tungs­rats mit einem Über­ge­wicht an Ban­ken­ver­tre­tern, re­spek­ti­ve Per­so­nen aus Po­li­tik und Wirt­schaft er­füllt den An­spruch auf Di­ver­si­tät heute nicht. We­sent­li­che Krei­se der Zi­vil­ge­sell­schaft sind nicht re­prä­sen­tiert, und vor allem sind Per­so­nen mit The­a­ter- und Kul­tur «Knowhow» un­ter­ver­tre­ten.

Die Neu­be­set­zung des Prä­si­di­ums und hof­fent­lich auch wei­te­rer Po­si­ti­o­nen im Ver­wal­tungs­rat bie­tet die Chan­ce, die­ses Un­gleich­ge­wicht min­des­tens ein wenig zu kor­ri­gie­ren. Auf der Bühne sind weib­li­che Haup­t­rol­len und Peo­ple of Color in meh­re­ren Pro­duk­ti­o­nen be­reits Re­a­li­tät – der Ver­wal­tungs­rat hinkt hin­ge­gen der Zeit hin­ter­her.

An der Ge­ne­ra­l­ver­samm­lung vom ver­gan­ge­nen No­vem­ber haben die Ge­nos­sen­schaf­ter:innen in ihrem An­trag genau dies ge­for­dert, wört­lich: «Wir sehen die Form der Ge­nos­sen­schaft als ein her­vor­ra­gen­des Mit­tel, KTSG mit vie­len Men­schen aus der Mitte der Ge­sell­schaft in Ver­bin­dung zu brin­gen.»

2. Par­ti­zi­pa­ti­on

    An der GV hat eine Mehr­heit gegen den Wil­len des da­ma­li­gen VR-Prä­si­den­ten Rüeg­seg­ger durch­ge­setzt, dass das Lei­tungs­mo­dell von Kon­zert und The­a­ter St.Gal­len wei­ter­hin in den Sta­tu­ten fest­ge­schrie­ben ist – und damit nicht vom VR ei­gen­hän­dig ge­än­dert wer­den kann. Denn: Die Mit­be­stim­mungs­mög­lich­kei­ten der Basis zu be­schnei­den, wäre nicht par­ti­zi­pa­tiv.

    Wenn jetzt das VR-Prä­si­di­um neu be­setzt wird, ist ent­schei­dend, dass die ge­wähl­te Per­son (oder am liebs­ten ein Co-Prä­si­di­um) Par­ti­zi­pa­ti­on lebt und nicht au­to­kra­tisch Ent­schei­de fällt. Zitat aus der Stel­le­n­aus­schrei­bung: «Sie sind ein Team­player/eine Team­playe­rin.» Und: «Sie sind sich ge­wöhnt, Lö­sun­gen unter Ein­be­zug der Be­trof­fe­nen zu ent­wi­ckeln.» Das ist umso wich­ti­ger, als das neue In­ten­dan­ten­mo­dell die Ge­fahr von Macht­fül­le und star­ken Hi­er­a­r­chi­en mit sich bringt, also das Ge­gen­teil von Par­ti­zi­pa­ti­on.

    3. Nach­hal­tig­keit

      Was «Nach­hal­tig­keit» auf dem Ge­biet des The­a­ters be­deu­tet, ist erst in An­sät­zen dis­ku­tiert. Hier muss der neue Ver­wal­tungs­rat eine Pio­nier­rol­le über­neh­men. Es geht darum, Res­sour­cen zu scho­nen – vom Ma­te­ri­a­l­ver­schleiss bei den Ku­lis­sen und dem Ener­gie­auf­wand bis zum Re­per­toire und den Men­schen. Der neue VR muss das öko­lo­gi­sche und so­zi­a­le Ge­wis­sen des The­a­ters sein – na­tür­lich unter Ge­währ­leis­tung der künst­le­ri­schen Frei­heit.

      4. Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on

        Über die drei Leit­the­men hin­aus ist vom neuen VR und dem VR-Prä­si­di­um zu er­war­ten, dass Kon­zert und The­a­ter St.Gal­len trans­pa­rent in­for­mie­ren und die Öf­fent­lich­keit nicht als Geg­ner fürch­ten, son­dern als Part­ner ernst neh­men. Als gröss­ter sub­ven­tio­nier­ter Kul­tur­be­trieb ist KTSG in der Pflicht, sich nicht nur wich­ti­gen Dis­kus­si­o­nen zu stel­len, son­dern diese auch zu in­iti­ie­ren.

        Zu wün­schen ist auch, dass das The­a­ter stär­ker als bis­her mit an­de­ren Kul­tur­spar­ten, Kul­tur­in­sti­tu­ti­o­nen und mit der frei­en Szene ko­ope­riert.


        Bei Fra­gen oder An­lie­gen steht die ig­Kul­tur Ost gerne als Aus­tausch­part­ne­rin zur Ver­fü­gung.

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