Kulturpolitik

Wenn Kultur zur Lotterie wird: igKultur Ost fordert Kurswechsel

Das Schlimms­te konn­te zwar ver­hin­dert wer­den – die ig­Kul­tur Ost ist trotzdem kons­ter­niert über die ge­plan­ten Kür­zun­gen im Lot­te­rie­fonds. Für die Ar­beit am neuen Ge­setz legt sie einen 5-Punk­te-Plan vor.

Der Lot­te­rie­fonds­ent­scheid vom 3. März 2026 stellt die Kul­tur­sze­ne wei­ter­hin vor gros­se Her­aus­for­de­run­gen. Kul­tur­schaf­fen­de der ig­Kul­tur Ost haben sich im Vor­feld für eine bran­chen­ver­träg­li­che Lö­sung ein­ge­setzt und im Aus­tausch mit zahl­rei­chen Po­li­ti­ker:innen dazu bei­ge­tra­gen, eine Hal­bie­rung der Kul­tur­gel­der zu ver­hin­dern, wie dies die ex­tre­me Ur­sprungs­mo­ti­on ver­langt hätte.

Neu will das Kan­tons­pa­r­la­ment nur noch 50-55 Pro­zent der Lot­te­rie­fonds­gel­der (statt bis­her 80 Pro­zent) für In­sti­tu­ti­o­nen und Pro­jek­te in den Be­rei­chen Kul­tur, Brauch­tum, So­zi­a­les, Ge­sund­heit und Ent­wick­lungs­zu­sam­me­n­a­r­beit zur Ver­fü­gung stel­len. Die Gel­der sol­len in Zu­kunft min­des­tens im Um­fang der Mit­tel aus den Jah­ren 2022 bis 2024 aus­ge­schüt­tet wer­den. Von der Ver­la­ge­rung pro­fi­tie­ren sol­len der Sport­fonds sowie kan­to­na­le Pro­jek­te und stra­te­gi­sche Gross­vor­ha­ben.

Für das neue Ge­setz gilt eine Er­a­r­bei­tungs­frist von drei Jah­ren. Die ig­Kul­tur Ost for­dert, von Be­ginn an aktiv im Ge­set­ze­s­pro­zess mit­zu­wir­ken. Sie ver­tritt meh­re­re hun­dert In­sti­tu­ti­o­nen, Ver­bän­de und Ein­zel­per­so­nen. Kul­tur­schaf­fen­de, Be­rufs­ver­bän­de und Fach­leu­te der be­trof­fe­nen Be­rei­che müs­sen in­vol­viert wer­den – nicht erst im Sta­di­um der Ver­nehm­las­sung, son­dern von An­fang an.

Für das neue Lot­te­rie­fonds­ge­setz for­dert die ig­Kul­tur Ost in einem 5-Punk­te-Plan:

1 Keine Kür­zun­gen!
Wie der Mo­ti­ons­text aus­drü­ck­lich fest­hält, darf die Höhe der Bei­trä­ge an Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen nicht ge­kürzt und muss der heu­ti­ge Stand der Ein­zel-Pro­jekt­för­de­rung im Kul­tur­be­reich muss bei­be­hal­ten wer­den. Bei sin­ken­den Aus­schüt­tun­gen aus der Lan­des­lot­te­rie wären die be­ste­hen­den Re­ser­ven rasch auf­ge­braucht. Die­ses Sze­na­rio muss mit­ge­dacht und durch ver­läss­li­che Me­cha­nis­men ver­hin­dert wer­den.

2 So­zi­a­le Si­cher­heit ein­kal­ku­lie­ren und ver­bes­sern!
Die ak­tu­el­len Lot­te­rie­fonds­bei­trä­ge rei­chen nicht, um die be­ruf­li­che und so­zi­a­le Si­tua­ti­on von Kul­tur­schaf­fen­den zu si­chern und pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se zu ver­hin­dern. Ver­bes­se­run­gen (so­zi­a­le Si­cher­heit, Teu­e­rungs­aus­gleich, Lohnan­pas­sun­gen), wel­che die Bran­chen­ver­bän­de seit lan­gem for­dern und die staat­li­chen Kul­tur­för­der­stel­len eben­falls vor­aus­set­zen, müs­sen in der künf­ti­gen Be­mes­sung der Lot­te­rie­fonds­bei­trä­ge be­rück­sich­tigt wer­den.

3 Stra­te­gie statt Lot­te­rie!
Die Ver­tei­lung der Lot­te­rie­fonds-Gel­der muss in Zu­kunft, wie dies die Mo­ti­on for­dert, auf ver­bind­li­che kan­to­na­le Stra­te­gi­en oder Schwer­punkt­pla­nun­gen ab­ge­stützt sein und die re­gi­o­na­le Aus­ge­wo­gen­heit be­rück­sich­ti­gen. Kul­tur­för­de­rung aus dem Lot­te­rie­fonds muss nach­hal­tig be­trie­ben und die bun­des­recht­li­chen Vor­ga­ben – na­ment­lich be­tref­fend die Ge­mein­nüt­zig­keit – müs­sen ein­ge­hal­ten wer­den.

4 Ex­per­ten­wis­sen ab­ho­len!
Lot­te­rie­fonds-Ent­schei­de sol­len un­ab­hän­gig von par­tei­po­li­ti­schen oder welt­an­schau­li­chen In­ter­es­sen ge­fällt wer­den: sach­be­zo­gen und auf der Grund­la­ge nach­voll­zieh­ba­rer Kri­te­ri­en. Im neuen Ge­setz sind die Gre­mi­en, wel­che die Ent­schei­de künf­tig zu­han­den der Re­gie­rung vor­be­rei­ten, auf­grund fach­li­cher Kom­pe­tenz fest­zu­le­gen: für den Sport­fonds die Sport­fonds-Kom­mis­si­on, für die Be­rei­che Kul­tur, So­zi­a­les etc. eine in­ter­dis­zi­pli­näre Fach­kom­mis­si­on und für stra­te­gi­sche Ent­wick­lungs­pro­jek­te eine in­ter­de­par­te­men­ta­le Kom­mis­si­on.

5 Gegen Mi­kro­ma­na­ge­ment!
Ein Stu­fen­mo­dell, ana­log der bis­he­ri­gen Ver­ga­be­pra­xis im Sport, soll die Be­ur­tei­lung und Dis­kus­si­on über klei­ne­re Kul­tur­bei­trä­ge auf Ebene Fach­kom­mis­si­on und Re­gie­rungs­rat re­geln. Das Pa­r­la­ment wird erst bei Bei­trä­gen ab einer noch zu de­fi­nie­ren­den Höhe in­vol­viert. Das ent­las­tet den Kan­tons­rat, macht den Pro­zess ef­fi­zi­en­ter und stärkt die fach­li­che Ex­per­ti­se.

Die ig­Kul­tur Ost for­dert einen breit ab­ge­stütz­ten Pro­zess für ein neues, zu­kunfts­taug­li­ches, nach­hal­ti­ges und kul­tur­för­der­li­ches Lot­te­rie­fonds-Ge­setz.

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