Kulturpolitik
17.11.25

Die Museumslandschaft im Kanton Thurgau ist bedroht

Die igKultur Ost ist äusserst besorgt über die Kürzungspläne der Thurgauer Regierung, welche die Museen empfindlich in ihrer Entwicklung bedrohen. Bereits heute herrscht bei den kantonalen Museen ein Investitionsstau. Weitere Kürzungen drohen die Institutionen zurückzuwerfen und die Aufbauarbeit vergangener Jahre zunichtezumachen.

Die ig­Kul­tur Ost ist äus­serst be­sorgt über die Kür­zungs­plä­ne der Thur­gau­er Re­gie­rung, wel­che die Mu­se­en emp­find­lich in ihrer Ent­wick­lung be­dro­hen. Be­reits heute herrscht bei den kan­to­na­len Mu­se­en ein In­ves­ti­ti­ons­s­tau. Wei­te­re Kür­zun­gen dro­hen die In­sti­tu­ti­o­nen zu­rück­zu­wer­fen und die Auf­bau­a­r­beit ver­gan­ge­ner Jahre zu­nich­te­zu­ma­chen.

Die ig­Kul­tur Ost ap­pel­liert an den Thur­gau­er Kan­tons­rat, an sei­ner Sit­zung vom 3. De­zem­ber auf die Kür­zungs­vor­ha­ben, wel­che die Mu­se­en be­tref­fen, zu ver­zich­ten. Denn Mu­se­en sind be­deu­tend für das Funk­tio­nie­ren de­mo­kra­ti­scher Ge­sell­schaf­ten. Diese Funk­ti­on kann be­reits mit dem ak­tu­el­len In­ves­ti­ti­onss­topp nicht mehr be­frie­di­gend er­füllt wer­den. Ein zeit­ge­mäs­ser, mit an­de­ren Re­gi­o­nen ver­gleich­ba­rer Mu­se­ums­be­trieb, ist nicht mög­lich. Wei­te­re Kür­zungs­mass­nah­men dro­hen nach­hal­ti­ge Schä­den in der Thur­gau­er Mu­se­ums­land­schaft an­zu­rich­ten.

Be­wah­ren und Per­spek­ti­ven bie­ten
Die gros­se Be­deu­tung der kan­to­na­len Mu­se­en scheint vie­len Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­kern nicht be­wusst zu sein. Mu­se­en sind nicht nur die Be­wah­rer un­se­res Kul­tur­er­bes. Mu­se­en bie­ten Ori­en­tie­rung, ver­mit­teln Wis­sen über Ver­gan­gen­heit und Ge­gen­wart, sind viel­fäl­ti­ge Lern­or­te und bie­ten Per­spek­ti­ven für die Zu­kunft.

Bar­rie­re­frei und in­klu­siv?
Im Thur­gau nicht für alle: Durch die ge­stopp­ten und ein­ge­fro­re­nen Bau­pro­jek­te – unter an­de­rem für das His­to­ri­sche Mu­se­um, das Kunst- und It­tin­ger Mu­se­um sowie das Na­po­le­o­n­mu­se­um – wird ein zeit­ge­mäs­ses, bar­rie­re­frei­es und in­klu­si­ves An­ge­bot ver­un­mög­licht. Men­schen mit Geh­be­ein­träch­ti­gung bleibt es wei­ter­hin ver­wehrt, in der Kan­tons­haupt­stadt Ausstel­lun­gen im His­to­ri­schen Mu­se­um zu be­su­chen. Das gilt sogar für Kunst­wer­ke!

Auf­grund der kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen dür­fen im Kunst­mu­se­um keine Leih­ga­ben grös­se­rer Häu­ser mehr ge­zeigt wer­den. Be­deu­ten­de Werke blei­ben damit dem Pu­bli­kum vor­ent­hal­ten, eine kul­tu­rel­le Teil­ha­be wird ver­un­mög­licht, der Thur­gau wird zur Pro­vinz ver­dammt.

Zeit­ge­mäs­se Ausstel­lungs- und Ver­mitt­lungs­a­r­beit ge­fähr­det
Dabei for­dern die Kan­tons­ver­fas­sung und das Ge­setz über die Kul­tur­för­de­rung und pfle­ge das Ge­gen­teil, näm­lich zeit­ge­mäs­se Ausstel­lungs- und Ver­mitt­lungs­a­r­beit zu leis­ten. Wie in vie­len an­de­ren Be­rei­chen haben sich auch die An­for­de­run­gen der Be­völ­ke­rung an einen Mu­se­ums­be­such und die Mu­se­ums­a­r­beit grund­le­gend ver­än­dert. Das er­for­dert darum deut­lich mehr ent­spre­chend qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal in der kan­to­na­len Ver­wal­tung. Der un­dif­fe­ren­zier­te An­stel­lungs­stopp würde dies ver­hin­dern. 

Sub­stanz­ver­lust
Mit Blick auf die schon heute knap­pen Mit­tel stellt sich die ig­Kul­tur Ost die Frage, wie mit einer wei­te­ren Ver­klei­ne­rung der Be­trieb­s­e­tats, dem An­stel­lungs­stopp in der kan­to­na­len Ver­wal­tung und den auf Jahre hin­aus auf­ge­scho­be­nen In­ves­ti­ti­o­nen in die Mu­se­ums­in­fra­s­truk­tur der Kan­ton in Zu­kunft in der Lage sein soll, seine ei­ge­nen Mu­se­en und deren Samm­lun­gen an­ge­mes­sen zu be­trei­ben. Unter den ak­tu­el­len Be­din­gun­gen droht den be­ste­hen­den Mu­se­en ein es­sen­zi­el­ler Sub­stanz­ver­lust.

Die ig­Kul­tur Ost be­grüsst grund­sätz­lich die In­itia­ti­ve, in Arbon mit dem Werk 2 ein hof­fent­lich der­einst weit über die Kan­tons­gren­ze hin­aus strah­len­des Mu­se­um auf­zu­bau­en. Dies darf aber nicht auf Kos­ten der be­ste­hen­den, seit Jahr­zehn­ten fest im Kan­ton eta­blier­ten In­sti­tu­ti­o­nen ge­sche­hen. Diese gilt es – im Ge­gen­teil – mit einer ganz­heit­li­chen Stra­te­gie zu stär­ken.

Dies er­scheint darum umso be­fremd­li­cher, weil gleich­zei­tig ein zu­sätz­li­ches Haus auf­ge­baut wer­den soll, das ent­spre­chen­de In­ves­ti­ti­o­nen und jähr­lich wie­der­keh­ren­de Be­triebs­mit­tel er­for­dern wird, wel­che deut­lich über den Be­trieb­s­e­tats der be­ste­hen­den In­sti­tu­ti­o­nen lie­gen dürf­te.

For­de­rung im Namen der jet­zi­gen und kom­men­den Ge­ne­ra­ti­o­nen
Die ig­Kul­tur Ost for­dert eine An­er­ken­nung und Be­rück­sich­ti­gung des gros­sen Nach­hol­be­da­rfs in der Mu­se­ums­land­schaft im Thur­gau. Die kan­to­na­len Mu­se­en sind das kul­tu­rel­le Fun­da­ment des Kan­tons. Die­ses gilt es nicht zu ge­fähr­den mit un­über­leg­ten Kür­zungs­mass­nah­men. Wir rufen die Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­ker auf, sich für das rei­che und le­ben­di­ge kul­tu­rel­le Erbe des Kan­tons ein­zu­set­zen – im Sinne der ak­tu­el­len Thur­gau­er Be­völ­ke­rung und der kom­men­den Ge­ne­ra­ti­o­nen.


Kon­takt für Rü­ck­fra­gen und Me­di­en:
Ge­schäfts­stel­le ig­Kul­tur Ost: Celin Fäss­ler, in­fo@ig-kul­tur-ost.ch

Die ig­Kul­tur Ost wurde 2019 mit dem Ziel ge­grün­det, Kul­tur­schaf­fen­de in der Ost­schweiz zu ver­net­zen und ihre An­lie­gen viel­fäl­tig sicht­bar zu ma­chen. Die ig­Kul­tur Ost ver­eint rund 250 Kul­tur­schaf­fen­de und 80 In­sti­tu­ti­o­nen aus der gan­zen Ost­schweiz in ihrem Netz­werk. Seit 2025 ver­fügt die ig­Kul­tur Ost über eine Kern­grup­pe im Kan­ton Thur­gau.

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