Die igKultur Ost ist äusserst besorgt über die Kürzungspläne der Thurgauer Regierung, welche die Museen empfindlich in ihrer Entwicklung bedrohen. Bereits heute herrscht bei den kantonalen Museen ein Investitionsstau. Weitere Kürzungen drohen die Institutionen zurückzuwerfen und die Aufbauarbeit vergangener Jahre zunichtezumachen.
Die igKultur Ost appelliert an den Thurgauer Kantonsrat, an seiner Sitzung vom 3. Dezember auf die Kürzungsvorhaben, welche die Museen betreffen, zu verzichten. Denn Museen sind bedeutend für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften. Diese Funktion kann bereits mit dem aktuellen Investitionsstopp nicht mehr befriedigend erfüllt werden. Ein zeitgemässer, mit anderen Regionen vergleichbarer Museumsbetrieb, ist nicht möglich. Weitere Kürzungsmassnahmen drohen nachhaltige Schäden in der Thurgauer Museumslandschaft anzurichten.
Bewahren und Perspektiven bieten
Die grosse Bedeutung der kantonalen Museen scheint vielen Politikerinnen und Politikern nicht bewusst zu sein. Museen sind nicht nur die Bewahrer unseres Kulturerbes. Museen bieten Orientierung, vermitteln Wissen über Vergangenheit und Gegenwart, sind vielfältige Lernorte und bieten Perspektiven für die Zukunft.
Barrierefrei und inklusiv?
Im Thurgau nicht für alle: Durch die gestoppten und eingefrorenen Bauprojekte – unter anderem für das Historische Museum, das Kunst- und Ittinger Museum sowie das Napoleonmuseum – wird ein zeitgemässes, barrierefreies und inklusives Angebot verunmöglicht. Menschen mit Gehbeeinträchtigung bleibt es weiterhin verwehrt, in der Kantonshauptstadt Ausstellungen im Historischen Museum zu besuchen. Das gilt sogar für Kunstwerke!
Aufgrund der klimatischen Bedingungen dürfen im Kunstmuseum keine Leihgaben grösserer Häuser mehr gezeigt werden. Bedeutende Werke bleiben damit dem Publikum vorenthalten, eine kulturelle Teilhabe wird verunmöglicht, der Thurgau wird zur Provinz verdammt.
Zeitgemässe Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit gefährdet
Dabei fordern die Kantonsverfassung und das Gesetz über die Kulturförderung und pflege das Gegenteil, nämlich zeitgemässe Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit zu leisten. Wie in vielen anderen Bereichen haben sich auch die Anforderungen der Bevölkerung an einen Museumsbesuch und die Museumsarbeit grundlegend verändert. Das erfordert darum deutlich mehr entsprechend qualifiziertes Personal in der kantonalen Verwaltung. Der undifferenzierte Anstellungsstopp würde dies verhindern.
Substanzverlust
Mit Blick auf die schon heute knappen Mittel stellt sich die igKultur Ost die Frage, wie mit einer weiteren Verkleinerung der Betriebsetats, dem Anstellungsstopp in der kantonalen Verwaltung und den auf Jahre hinaus aufgeschobenen Investitionen in die Museumsinfrastruktur der Kanton in Zukunft in der Lage sein soll, seine eigenen Museen und deren Sammlungen angemessen zu betreiben. Unter den aktuellen Bedingungen droht den bestehenden Museen ein essenzieller Substanzverlust.
Die igKultur Ost begrüsst grundsätzlich die Initiative, in Arbon mit dem Werk 2 ein hoffentlich dereinst weit über die Kantonsgrenze hinaus strahlendes Museum aufzubauen. Dies darf aber nicht auf Kosten der bestehenden, seit Jahrzehnten fest im Kanton etablierten Institutionen geschehen. Diese gilt es – im Gegenteil – mit einer ganzheitlichen Strategie zu stärken.
Dies erscheint darum umso befremdlicher, weil gleichzeitig ein zusätzliches Haus aufgebaut werden soll, das entsprechende Investitionen und jährlich wiederkehrende Betriebsmittel erfordern wird, welche deutlich über den Betriebsetats der bestehenden Institutionen liegen dürfte.
Forderung im Namen der jetzigen und kommenden Generationen
Die igKultur Ost fordert eine Anerkennung und Berücksichtigung des grossen Nachholbedarfs in der Museumslandschaft im Thurgau. Die kantonalen Museen sind das kulturelle Fundament des Kantons. Dieses gilt es nicht zu gefährden mit unüberlegten Kürzungsmassnahmen. Wir rufen die Politikerinnen und Politiker auf, sich für das reiche und lebendige kulturelle Erbe des Kantons einzusetzen – im Sinne der aktuellen Thurgauer Bevölkerung und der kommenden Generationen.
