Diese Kürzungen treffen eine bereits stark geforderte Kulturlandschaft - bei den Leistungsvereinbarungen sind Kürzungen von fast 20 Prozent vorgesehen. Besonders gefährdet sind kleinere Institutionen, die freie Szene und Kulturangebote in den Gemeinden. Werden diese Beiträge gekürzt, ist dies kein blosser administrativer Einschnitt, sondern ein substanzieller Abbau kultureller Leistungen.
Politischer Kontext des zweistufigen Sparpakets
Die vorgeschlagenen Kürzungen sind Teil eines zusätzlichen Massnahmenpakets im Umfang von insgesamt 60 Millionen Franken, welches der Kantonsrat 2025 initiiert hatte, um die Gesundung des Kantonshaushaltes zu gewährleisten. Die igKultur Ost teilt hierbei die Haltung des St. Galler Regierungsrates, der insbesondere die zweite Kürzungsstufe kritisch beurteilt. Eine kumulierte Budgetreduktion um 4 Millionen lässt sich im Kulturbereich nicht mehr durch operative Optimierungen auffangen, sondern führt zwangsläufig zu einem substanziellen Abbau des Kulturangebots.
Die Auswirkungen der Kürzungswellen (Reduktion um 5,5 % und 14,5 %)
Die Reduktion der vertraglich zugesicherten Mittel für Kulturbetriebe erfolgt in zwei Schritten und hat weitreichende Konsequenzen für die rund 80 betroffenen Kulturinstitutionen wie Museen, Kleintheater, Konzertlokale und Kinos:
Erste Phase 2027 (-5,5 %): Da viele Institutionen bereits mit sehr schlanken Strukturen wirtschaften, zwingt diese erste Kürzungswelle die Betriebe dazu, künstlerische Produktionen zu streichen, Koproduktionen abzusagen und notwendige Infrastrukturinvestitionen aufzuschieben. Zudem verschärfen diese Einsparungen die ohnehin prekäre Einkommenssituation der Kulturschaffenden bei Honoraren und Gagen. In einem Sektor, in dem seit Jahren kein Teuerungsausgleich mehr stattfand.
Zweite Phase 2028 (-14,5 %): Ein Budgetabzug in dieser Grössenordnung zieht einen strukturellen Abbau nach sich. Ein solcher Verlust lässt sich nur durch die Schliessung ganzer Sparten, den Abbau von Fachpersonal sowie eine massive Reduktion von Spielplänen, Produktionen und Ausstellungen sowie Vermittlungsangeboten realisieren.
- Verlust der Planungssicherheit im Kulturbetrieb
Theater, Museen, Festivals und Kulturzentren sind auf langfristige Planungssicherheit angewiesen. Programme, Produktionen und Engagements von Kunstschaffenden werden häufig Jahre im Voraus geplant und vertraglich vereinbart. Die Kürzung der Beiträge führt dazu, dass bestehende und gültige Leistungsvereinbarungen nicht eingehalten werden können. Dies entzieht den Institutionen die notwendige betriebliche und finanzielle Planungssicherheit und beschädigt das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen.
- Schwächung der regionalen Kulturförderung und Gemeinde-Zusammenarbeit
Parallel zu den Institutionen wird die Kultur in den Gemeinden geschwächt. Ab 2027 soll der kantonale Ergänzungsbeitrag an die Aufwendungen der Gemeinden von 100 auf 75 Prozent gesenkt werden. Dies entspricht einer jährlichen Einsparung von CHF 300'000.
Betroffen sind alle sechs regionalen Förderorganisationen (Kultur St. Gallen Plus, Kultur Toggenburg, Kultur ZürichseeLinth, Rheintaler Kulturstiftung, Südkultur und ThurKultur). Dies widerspricht dem kantonalen Ziel, die „Kultur vor Ort“ zu stärken. Die Absicht, diese Lücken mehrheitlich über den Lotteriefonds aufzufangen (Abzug aus dem ordentlichen Budget auf nur noch 36 Prozent ab 2028), verlagert ordentliche Staatsaufgaben in einen ausserordentlichen Haushalt.
Ökonomische Relevanz und Standortfaktor
Kultur ist kein reiner Kostenfaktor, sondern ein wichtiger Standortfaktor und Teil der regionalen Wirtschaft. Kulturinstitutionen- und Kulturveranstaltungen ziehen Besucherinnen und Besucher an und schaffen damit Wertschöpfung, von der insbesondere Gastronomie, Tourismus und das lokale Gewerbe direkt profitieren. Die vom Kantonsrat erzwungenen Kürzungen schwächen somit die Attraktivität des Wohn- und Wirtschaftsstandortes St. Gallen im interkantonalen Wettbewerb.
Fazit
Wir lehnen die erneuten Sparmassnahmen im Kulturbereich klar ab. Zum wiederholten Mal soll bei der Kultur gespart werden: – einem Sektor, der bereits heute mit prekären Arbeitsbedingungen und knappen finanziellen Ressourcen haushalten muss.
